Förderverein Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge e.V.

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“Über-Reste” – Die Aktion der Projektgruppe 2019 zu den Tagen der Begegnung

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Seit Anfang Februar diesen Jahres kamen 12 Jugendliche einmal wöchentlich in der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge zu einer Aktionsgruppe zusammen, um das von der Gruppe der 2. Generation gewählte Thema „Über-Reste“ inhaltlich und gestalterisch zu bearbeiten und zu einer Aktion zu verdichten. Dies waren Lea Drechsler, Adriana Martins und Maximilian Melz, der schon an früheren Projekten in der Gedenkstätte mitgearbeitet hat. Sie alle lernen an der Gemeinschaftsschule Hagenberg in Gernrode. Von den Berufsbildenden Schulen „Geschwister Scholl“ Halberstadt beteiligten sich Jerome-Pascal Havlicek, Maik Schneider, Mark Schulz, Niclas-Jan Seidler und Gina Kaufmann, die sich dort auf eine Ausbildung vorbereiten, sowie die Fachoberschülerinnen Chantal Kreißig und Lee-Ann Kaiser. Auch die ehemaligen Schülerinnen dieser Schule Esther Feisthauer und Christina Meier nahmen zum wiederholten Mal an einer Gedenkaktion teil.Sie alle befassten sich zunächst mit der Geschichte des Lagers und den Schicksalen von Opfern und Überlebenden, erkundeten später das ehemalige Lagergelände und suchten nach Spuren der Vergangenheit. Sie stießen auf Überreste des Küchengebäudes und der Sanitätsbaracken, der Latrinen und Waschgelegenheiten, fanden Grundflächenreste von Häftlingsbaracken, eine vor kurzem konservierte Kiefer und ein Stollensystem – ja, es gibt sie noch im Original, die baulichen Überreste aus der Lagerzeit, und sie werfen Fragen auf: „Wofür war diese Rampe?“ „Wer ging diese Treppen hinauf?“ „Was war im Keller?“ „Wo ist der Rest des kaputten Tontopfes?“ „Wofür waren diese Becken?“ – alles Fragen, die später zum Bestandteil der Aktion wurden.

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Aber die baulichen Überreste des Lagers weisen inzwischen deutliche Spuren von Verfall auf und müssten schnellstens gesichert und konserviert werden, um sie als Zeugnisse dieses Kapitels der deutschen Geschichte auch für künftige Generationen zu bewahren.

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Das ehemalige Lagergelände ist in den letzten mehr als 74 Jahren immer wieder überbaut, entsprechend der spezifischen Erinnerungskultur der jeweiligen Zeit neu gestaltet oder durch Sicherungsmaßnahmen verändert worden. Auch mit dieser „Schicht“, die heute auf den Überresten lagert, beschäftigten sich die Jugendlichen und setzten sich intensiv mit den 2010 umgestalteten Massengräbern und den 761 Namenstafeln für die dort verscharrten Opfer sowie zwei Kunstwerken, die den durch Arbeit vernichteten oder auf dem Todesmarsch umgekommenen Häftlingen gewidmet sind, auseinander.

Eine ganz spezielle Führung durch den Gedenkstättenleiter Dr. Nicolas Bertrand vermittelte den Projektteilnehmern anhand historischer Fotos und neuester Ergebnisse geoelektrischer und Laserscanuntersuchungen eine Vorstellung davon, wie das Gelände und die Gebäude damals aussahen und die Erkenntnis, dass es auch bauliche Überreste gibt, die inzwischen vollständig von der Natur überwuchert sind.

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Die künstlerisch-dramaturgische Leitung des Projektes hatte Anna-Maria Schwindack übernommen. Dass sie zum Auftakt jedes Treffens spielerische Übungen zur Teambildung, zur Verbesserung der Aussprache oder zur Schulung der Körpersprache durchführte, gefiel den Jugendlichen besonders gut und sensibilisierte sie für die nachfolgende Auseinandersetzung mit Texten von Überlebenden, die sich speziell auf Aussagen zu den Lagerbauten bezogen. Logistisch und organisatorisch wurde das Projekt auch von Ulrich Kallenberger unterstützt, Sozialpädagoge an der BbS Halberstadt.

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 Anna-Maria Schwindack (künstlerisch-dramaturgische Leitung) und Jennifer Fulton (musikalische Leitung)

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Spiele zum Kennenlernen, zur Teambildung und zur Schulung von Körperhaltung und Aussprache brachten viel Spaß.

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Die Musikpädagogin Jennifer Fulton unterstützte die jungen Leute dabei, ihre Gedanken und Gefühle auch durch Klänge auszudrücken und mit diesen Klängen die Aktion zu untermalen. Die Aktion selbst fand vor der ehemaligen Küchenbaracke statt. Zunächst näherten sich die Jugendlichen den Überresten der Küchenbaracke im Gleichschritt von zwei Seiten, erzeugten dabei mit verschiedenen Klanginstrumenten Töne und wurden von einem Trommeltakt begleitet. Schrille, zum Bau eines Gebäudes gehörende Geräusche, die entstehen wenn unterschiedliche Materialien wie Glas auf Stein oder Stein auf Holz treffen, waren ebenso Teil dieses Klangbildes wie das Klappern von Nägeln in einem Behältnis, Hammerschläge auf Metall und das Ratschen einer Säge auf Eisen.

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Besucher und Gäste der Gedenkaktion finden sich vor der Küchenbaracke ein, wo die Aktion stattfindet. Die Aktion beginnt mit den Klängen.

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Als sie die ehemalige Küchenbaracke erreicht hatten, wandten sich die Jugendlichen dieser zu und schauten nun, wie alle anderen Gäste der Veranstaltung, auf deren noch vorhandene Überreste. Anschließend verklangen, einer nach dem anderen, die Töne.

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Mit Blick auf die „Über-Reste“ zitierte Lea aus dem Buch „Rückkehr nach Langenstein“ des französischen Überlebenden Georges Petit, der beschreibt, was ihn 1994 bei dieser Rückkehr bewegte:

„Der einsame Spaziergang dauerte sehr lange. Wie ein enttäuschter Tourist fand ich nicht das Lager wieder, welches ich so gut gekannt hatte. Ich entdeckte nur noch die Kulissen weit entfernter Ereignisse aus meiner Vergangenheit, und diese Kulissen hatten eine merkwürdige Wirkung: ich fühlte, wie mich eine plötzliche Nostalgie erfasste [...]. Nun verstand ich auch die Kameraden, deren Berichte über die Häftlingszeit mich bisher geärgert hatten. Denn man kann kaum vermeiden, alles größer darzustellen, wenn man mit Nostalgie an eine Zeit zurück denkt, von der man vorher immer nur behauptet hat, dass es eine Zeit des Unglücks war.“

Pantomimisch ertasteten die jungen Leute nun die nicht mehr vorhandenen Außenmauern. Allein die Vorstellungskraft ließ das Küchengebäude mit seinen verschwundenen Mauern wieder erstehen. Disharmonische Töne und Klänge, die an Baulärm erinnerten und von Christina und Maik durch das Schlagen von Glas auf Stein erzeugt wurden, begleiteten die Gebärden.

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Dann machten sich die Akteure auf die „Suche“ nach einzelnen Elementen, von denen es heute kaum noch Spuren gibt. Aber die jungen Leute hatten historische Fotos davon gesehen, hatten diese Bilder im Kopf und beschrieben mit knappen Worten, was damals dort vorhanden gewesen sein musste:

Max: Ein langer Zaun.

Lea: Ein Bahngleis.

Esther: Ein großer Platz.

Jerome-Pascal: Ein Berg im Hintergrund.

Chantal: Eine Erhöhung, auf der das lange Gebäude steht.

Mark: Sieben Fenster.

Niclas-Jan: Eine Tür mit zwei Stufen.

Chantal: Fünf Schornsteine.

Jerome-Pascal: Rechts, eine kleine Tür.

Chantal: Eine Rampe.

Adriana: Ein flaches Dach.

Und es wurden Fragen gestellt, die, wenn überhaupt, nur noch durch Erinnerungsberichte von Überlebenden beantwortet werden können:

Max: Was bedeuten die Metallplatten im Boden?

Lea: Wofür waren die Becken?

Esther: Durfte in der Küche gesprochen werden?

Adriana: Scherben werfen Fragen auf. Wozu gehörten sie?

Jerome-Pascal: Wo ist der Rest des kaputten Tontopfes?

Mark: Wofür war diese Rampe?

Chantal: Was war im Keller?

Max: Seit wann steht dieser Baum hier?

Niclas-Jan: Wer ist diese Treppen hinauf gegangen?

Gina wiederholte diese Fragen für alle besser hörbar am Mikrofon und verstärkte damit die Wirkung der Leere.

Nun folgte eine Einspielung vom Band, wie eine Nachricht, die nur noch aus den schriftlichen Erinnerungen zu uns spricht. Max hatte dem polnischen Überlebenden Edmund Wojnowski seine Stimme geliehen:

„Noch 100, 200 Meter – und jetzt sehen wir den Stacheldrahtverhau, Wachtürme und Baracken. Rechts steht ein gemauertes Gebäude, vor dem sich ein paar Leute bewegen. Endlich wird man sich irgendwo hinlegen können, ausschlafen, endlich bekommt man, ganz egal was, aber dreimal täglich, wie in Sachsenhausen zu essen. Ich weiß noch nicht, dass ich hier nur 2 Monate verbringen werde. Zwei Monate, die schrecklicher für mich werden als 5 Jahre Gefängnisse und KZ Lager.“

Die Darsteller reagierten auf diese Einspielung und ließen aus diesem Grund das Erkunden des Innenraums zur Suche nach dieser Stimme werden.

Dann hörten alle im „Freaze“, d.h. in einer Bewegung erstarrt, Lea zu, die aus dem Bericht des tschechischen Lagerschreibers Josef Vik zitierte:

„Am 21. September 1944 sammelten einige Häftlinge, vom Hunger getrieben, hinter der Küche weggeworfene Kartoffelschalen auf. Vom Wachturm aus schoss ein SS-Mann auf sie, eine Kugel flog durch das Küchenfenster und traf den Russen Viktor Galkin, […] der mit weiteren 21 ebenso jungen Kameraden in der Küche beim Kartoffelschälen eingesetzt war, ins Herz.“

Die Projektteilnehmer gingen daraufhin langsam in die Hocke, verharrten in der Stellung und blickten zu Boden.

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In dieser Stille und Bewegungslosigkeit rezitierte Gina das Gedicht „An euch, die das neue Haus bauen“ von Nelly Sachs.

An euch, die das neue Haus bauen

Wenn du dir deine Wände neu aufrichtest –

Deinen Herd, Schlafstatt, Tisch und Stuhl –

Hänge nicht deine Tränen um sie, die dahingegangen,

Die nicht mehr mit dir wohnen werden

An den Stein

Nicht an das Holz –

Es weint sonst in deinen Schlaf hinein,

Den kurzen, den du noch tun mußt.

Seufze nicht, wenn du dein Laken bettest,

Es mischen sich sonst deine Träume

Mit dem Schweiß der Toten.

Ach, es sind die Wände und die Geräte

Wie die Windharfen empfänglich

Und wie ein Acker, darin dein Leid wächst,

Und spüren das Staubverwandte in dir.

Baue, wenn die Stundenuhr rieselt,

Aber weine nicht die Minuten fort

Mit dem Staub zusammen,

Der das Licht verdeckt.

 

Anschließend lösten sich die jungen Leute aus ihrer Erstarrung und traten im Halbkreis vor das Publikum.

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Einzeln formulierte jeder seine Vorstellungen und Wünsche zum weiteren Umgang mit den noch vorhandenen baulichen Überresten.

So forderte Adriana: „Wir wünschen uns, dass die baulichen Überreste erhalten und konserviert werden.“

Chantal hoffte, „dass es einen behutsamen Umgang mit ihnen gibt.“

Jerome-Pascal fand, „dass die Überreste gesichert werden sollten, damit sie nicht von Besuchern und Besucherinnen betreten oder gar zerstört werden.“

Max würde es gern sehen, „wenn es mehr archäologische Grabungen geben könnte, die Verdecktes zum Vorschein bringen.“

Christina erklärte: „Wir fänden es super, wenn die Wege zu allen baulichen Überresten auf dem Gelände besser ausgebaut wären und es auch einen barrierefreien Zugang zu ihnen gäbe.“

Gina konnte sich vorstellen, „dass es an den ehemaligen Gebäuden kleine Modelle geben könnte, Miniatur-Nachbauten, die im Kleinen zeigen, wie es damals hier ausgesehen hat.“

Maik hoffte, „dass es dafür die nötigen finanziellen Mittel geben kann.“

Und Christina verlieh erneut der Erwartung aller Jugendlichen Ausdruck, dass umgehend etwas geschehen müsse, „damit unsere Wünsche nicht nur Wünsche bleiben werden.“

Untermalt wurden diese Wünsche durch eine von allen gemeinsam gesummte und auf der Gitarre begleitete Melodie, um den gesprochenen Worten eine besondere Eindringlichkeit zu verleihen.

Zum Abschluss der Aktion lud Esther die beiden Überlebenden Georges Petit aus Frankreich und Ryszard Kosinski aus Polen sowie alle Angehörigen und Gäste zum gemeinsamen Gang zur Gedenkveranstaltung ein, die an den Massengräbern der Menschen, die das KZ Langenstein-Zwieberge nicht überlebt haben, stattfand.

Für die Aktion selbst erhielten die jugendlichen Akteure von den Gästen nach der Gedenkveranstaltung sehr viel Anerkennung und Zuspruch.

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Text: Martina Lucht, Gesine Daifi

Fotos: Martina Lucht (privat)

Bücherflohmarkt erbringt 498,90 Euro Spenden

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Ein großes Dankeschön an alle Leser und Besucher unseres Bücherflohmarktes, die mit dem Kauf eines oder mehrerer Bücher aus unserem bunten Sortiment zu diesem grandiosen Ergebnis beigetragen haben.

Anlässlich des Halberstädter Töpfermarktes “Ton am Dom” hielt der Vorstand des Fördervereins Langenstein-Zwieberge am Samstag wie schon in den Jahren zuvor vor dem Gleimhaus Halberstadt reich gefüllte Bücherkisten bereit. Die Bücher gingen für 1 Euro pro Stück über den “Ladentisch” und als kleines Dankeschön gab es für die Käufer wieder unser Lesezeichen sowie den Flyer des Fördervereins als Information über unsere Arbeit dazu.  

Bei bestem Sommerwetter war der Domplatz und damit auch unser Bücherstand gut besucht. Einen nochmaligen Zustrom an interessierten Lesern konnten wir vor und nach dem Gautschfest verzeichnen, das gleich neben unserem Stand stattfand. 

Für die tolle Unterstützung bedanken wir uns wieder beim Team des Gleimhauses. Und was wäre der Vorstand ohne unsere fleißigen Helfer – Martje, Rainer, Clemens, Dieter, Torsten, Erik und David, habt sehr herzlichen Dank für das Tragen unserer schweren Bücherkisten !!!

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Bücherflohmarkt vor dem Gleimhaus am 6. Juli 2019

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Leseratten aufgepaßt!!

Finden Sie in unseren reichhaltigen Bücherkisten Ihren Urlaubskrimi, ein schönes Kinderbuch oder einen Klassiker der Weltliteratur.

Der Vorstand des Fördervereins der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge e.V. lädt alle Leser und Besucher

des Töpfermarktes „Ton am Dom“ auf dem Domplatz Halberstadt zum Bücherflohmarkt ein.

Sie finden uns am 06.07.2019

von 10-18 Uhr

vor dem Gleimhaus Halberstadt .

 

Wie schon in den vergangenen Jahren kostet jedes Buch nur 1 Euro!!! Wir freuen uns auf Sie!

Der Erlös wird für die alljährlich stattfindenden Tage der Begegnung und das Seminar der Gruppe der 2. Generation verwendet. Zeitzeugen und Nachfahren setzen sich dafür ein, dass die Geschichte des KZ Langenstein-Zwieberge nicht vergessen wird und unterstützen die Arbeit der Gedenkstätte.

 

Konzertankündigung – Romantic Folk mit der Gruppe “Siebenschläfer”

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Der Vorstand des Fördervereins der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge lädt alle Folkmusik-Liebhaber herzlich zu einem besonderen Konzert ein.

Das Gesangsduo “Siebenschläfer” spielt

am Freitag, 12. April 2019

im Gleimhaus Halberstadt (Domplatz 36).

Beginn: 18.00 Uhr

Der Eintritt ist wie immer frei, wir bitten um eine Spende für die Finanzierung der “Tage der Begegnung”.

Wir freuen uns auch auf unsere internationalen Gäste, die im Rahmen der “Tagen der Begegnung” ebenfalls das Konzert besuchen werden.

 


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Das jüngste Projekt von Klaus Adolphi (HORCH / The Aberlour’s) mit Kathrin Peter (Opernextrachor Halle / Cantiga) widmet sich Liedern von Renaissance bis Romantik, von Angel- bis Anhaltsachsen, von Shakespeare bis Adolphi. Keltische Mystik trifft auf Vagantenverse des 12. Jahrhunderts, Eichendorff auf Kollege Novalis, deutsche Historie auf schottische Legenden.

Perlende Arpeggien diverser Saiteninstrumente und ein klarer, wandelbarer Sopran offerieren vor allem die filigranen Seiten vieler Adolphi-Kompositionen und –Bearbeitungen.

Kathrin Peters außergewöhnliche Stimme fiel schon vor Jahren bei der damals populären Renaissance-Folkgruppe Burgunder auf und erlangte dann im klassischen Bereich ihre heutige, unverwechselbare Prägung.

Aus dem großen Erfahrungs-und Ideenfundus beider Künstler schöpft nun dieses Projekt, welches ebenso an Loreena McKennitt oder Ougenweide wie an die Traditionen der fahrenden Spielleute erinnert.

 

Pressezitat zur Premiere in der Pauluskirche Halle:

„Das vielseitige Klangspektrum und die spannenden Brückenschläge zwischen Historie und Gegenwart sorgten für Begeisterung, die Verschmelzung der beiden Stimmen – aus sehr verschiedenen musikalischen Bereichen kommend – erlangte eine seltene Intensität.“

 

Kathrin Peter: Gesang / Blockflöten / Krummhorn/ Glockenspiel / Percussion

Klaus Adolphi: Gesang / Laute / Gitarren/ Mandola / Mandocello / Cister / Harmonium / Percussion

(Text und Foto: Gesangsduo Siebenschläfer)

Aktion “2000 Leben für den Bau eines Stollens” April 2018

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“2000 Leben für den Bau eines Stollens” -  diese große Opferzahl hat das Prinzip “Vernichtung durch Arbeit” gefordert, das die Nazis im KZ Langenstein-Zwieberge gnadenlos angewandt haben. In nur knapp einem Jahr, von April 1944 bis April 1945, starben ca. 2000 Häftlinge, die unter unmenschlichen Bedingungen ein Stollensystem von 13 km Länge in die Thekenberge bei Halberstadt graben mussten. Es sollte der Untertageverlagerung von Rüstungsproduktion für die deutsche Luftwaffe dienen.

Am 9. April 1945, wenige Tage vor der Befreiung des Lagers durch amerikanische Truppen, wurden noch etwa 3000 Häftlinge auf einen Marsch getrieben, der für die meisten von ihnen zu einem Todesmarsch werden sollte.

Der Stollen als historischer Ort des Leidens der Häftlinge ist das zentrale Herzstück der Gedenkstätte. Das konnten auch die Projektteilnehmer der diesjährigen Gedenkaktion, deren Thematik von der internationalen Gruppe der 2. Generation ausgewählt wurde, nachhaltig spüren. In der Vorbereitung der Aktion setzten sich die Jugendlichen nicht nur mit Texten von Überlebenden auseinander, die die Bedingungen im Stollen beschrieben, sondern konnten auch bei einem ersten Besuch den “kalten Atem” des Stollens spüren, den man empfindet, wenn man sich dem Mundloch A nähert. Und beim Lesen der Texte im Stollen wirkte nicht nur die Kälte bedrohlich, sondern die beschriebenen Erinnerungen an Hundegebell, an das Gebrüll der Wachmannschaften, den Lärm der Pressluftbohrer, an die Angst der Häftlinge vor Schlägen, vor Unfällen und der Schwere der Arbeit machten auch die Verzweiflung der Häftlinge greifbar. So konnten sich die Jugendlichen den Gefühlen der Menschen, die im Stollen litten, und dem Ort, an dem diese Grausamkeiten stattgefunden haben, annähern. Aber ohne den Zugang zu diesem Ort wäre eine Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nazis weitaus schwieriger.

Deshalb MUSS der Stollen auch weiterhin zugänglich bleiben: für Besucher, für Schüler, für Interessierte – für alle, die sich erinnern wollen, aber auch für jene, die Geschichte am liebsten vergessen wollen! Diese Verbrechen hat es gegeben und der Stollen ist ein Zeugnis dafür. Umso gefährlicher ist es, dass der Zugang nun in Gefahr scheint, denn der Stollen wurde privatisiert, der letzte Eigentümer ist insolvent und das gesamte Gelände steht zur Versteigerung. Es muss daher sicher bleiben, dass auch ein neuer Eigentümer mindestens den bisher zugänglichen Teil des Stollens weiter für die Gedenkstätte offen hält. Und diese Forderung stand im Mittelpunkt der diesjährigen Jugendaktion.

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2000 Leben hatte der Bau des Stollens gekostet und mit 2000 Windspielen, die entlang des „Leidensweges“ der Häftlinge vom Lager zum Stollen aufgehängt wurden, wollten die Jugendlichen diese Opferzahl verdeutlichen und durch Töne ins Gedächtnis rufen.

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In Vorbereitung der Aktion hatten verschiedene Institutionen und Einrichtungen Windspiele aus unterschiedlichen Materialien gebaut und zur Gedenkstätte gebracht, wie z.B. die Evangelische Stiftung Neinstedt, das Gymnasium Martineum Halberstadt, die Kindertagesstätten des Cecilienstifts Halberstadt, das Landschulheim Grovesmühle, die Sine-Cura-Schule Gernrode, die Sekundarschule am Hagenberg Gernrode, die Förderschule Wasserleben, die Bosseschule Quedlinburg, die Malschule “Augenblick” Blankenburg, die Freie Schule Langenstein sowie zahlreiche Einzelpersonen. Jedes Windspiel trug außerdem ein Zitat eines Überlebenden, das sich auf die Arbeit im Stollen bezog. So konnten Spaziergänger auch noch Wochen nach der Aktion beim Hören der Klänge der Windspiele auch die Stimmen der ehemaligen Häftlinge wahrnehmen, wenn sie die Zitate lasen.

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Die Gruppe und fleißige Helfer beim Aufhängen der Windspiele auf dem Leidensweg

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Vorbereitet und am Stolleneingang angebracht wurden ebenfalls die Plakate

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In der Vorbereitungsphase des Projektes verbanden die jungen Leute ihre ausgewählten Texte mit Klängen von Klangschalen. Das Projekt wurde nicht nur wie in den vergangenen Jahren von unserer Halberstädter Theaterpädagogin Anja Grassmeier unterstützt, sondern auch von Peter Filter, einem Klangkünstler, der seine Klangschalen, Fingertrommeln und verschiedene andere Klanginstrumente zur Verfügung stellte und auch die musikalische Umrahmung der offiziellen Gedenkveranstaltung am Stollen übernahm.

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Vorbereitung der Klangaktion mit Unterstützung von Peter Filter

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Die Aktion selbst begann am Wegekreuz vor dem Gedenkstättengebäude, wo Ettore Borinato in Vertretung des erkrankten Dr. Claudio Burelli im Namen der Gruppe der 2. Generation in die Gedenkaktion einführte und die Hintergründe erklärte.

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Mit einem langen, tiefen Ton einer Klangschale begann die Aktion, im Hintergrund waren für die Gäste der Gedenkveranstaltung die Thekenberge zu sehen, in denen sich das Stollensystem befindet.

Weitere Klangschalentöne in unterschiedlichen Tonlagen unterbrachen die Texte, die Sanja, Celine und Timea vortrugen und der Nachhall gab den Zuhörern Zeit, über die Texte nachzudenken.

Timea zitierte z.B. den belgischen Überlebenden Berhard Klieger mit den Worten: “Der Stollen fraß die Menschen mit einem unvorstellbaren Heißhunger. Sie schleppten und trugen, bohrten und mauerten. Sie brachen zusammen und neue Sklaven traten an ihre Stelle.”

Sanja trug Erinnerung des Franzosen Georges Petit vor: “Das Symbol unserer Qualen nahm schließlich Gestalt an. Der Stollen fraß sich immer tiefer in die Thekenberge, und diese Arbeit nagte an unserer Gesundheit.”

Und Celine beschrieb mit ihrem Zitat des Letten Miervaldis Berzins-Birze die unerträglichen Arbeitsbedingungen: “Im Stollen arbeiteten erschöpfte, in blaugestreifte Lumpen gehüllte schwankende Figuren. Und die Besitzer der deutschen Firmen waren nur auf Gewinn bedacht, den sie durch von der SS gekaufte billige Arbeitskräfte erhielten.”

Auf Deutsch, Französisch, Holländisch, Italienisch, Russisch und Polnisch – stellvertretend für die im Lager gesprochenen 23 Sprachen – ließen die Jugendlichen mit den Worten “2000 Leben” die ungeheure und sinnlose Opferzahl gegenwärtig werden.

“2000 nicht gelebte Leben!” wie Esther nachdrücklich betonte.

Nachdem sie auf die gemeinsam entlang des Leidensweges aufgehängten Windspiele und deren Bedeutung hingewiesen hatten, luden die Jugendlichen alle Gäste ein, auf dem Leidensweg dem Klang der Windspiele zu folgen oder durch Berührung in Gang zu setzen. Die Jugendlichen führten gemeinsam mit Peter Filter den Gang zum Stollen an und erzeugten auf dem Weg dorthin 2000 Töne durch Schlagen der Klangschalen.

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Am Stollen angekommen, ließen die Jugendlichen weitere Erinnerungen von Überlebenden gegenwärtig werden. Max war besonders durch die von Dino Burelli aus Italien beschriebenen Arbeitsbedingungen berührt: “Schwere Arbeit: 13 Stunden pro Tag … Waggons mit Steinen aufladen, aus dem Stollen schieben, sie ausladen, sie wieder hineinschieben, sie nochmals aufladen: fortlaufend, 13 lange Stunden immer diese Arbeit… nur eine halbe Stunde Pause zu Mittag. Aber nicht für uns, nur für die, die uns Befehle gaben und die zu Mittag essen wollten. Wir konnten nicht essen, denn wir hatten nichts zu essen!” Diesen Aspekt beleuchtete auch Elias, der den Franzosen Roger Leroyer zitierte: “Wie viele starben für diese Tausenden zu schweren Steine. Zu viele zu schwere Steine, die über ihre Kräfte gingen…”

Jonas beschrieb mit seinem Zitat die traurige Schilderung des Weihnachtsfestes von François Laget aus Frankreich: “Und wir, wir haben Weihnachten dort verbracht, in diesem unterirdischen Stollen, wo es kalt, feucht und schlecht belüftet war. Ich hatte noch nie ein Weihnachtsfest erlebt, was so kalt und traurig war.”

Vicky zeigte sich durch die Erinnerungen des Franzosen Michel Rodriguez an seinen Freund erschüttert: “Dann traf es meine Freunde. Ich habe Gerard Barrou, der aus Bordeaux stammte, getragen. Ich habe ihn sterben sehen, in seinen letzten Augenblicken rief er nach seiner Mutter: ‘Mama, Mama, komm doch…’ Das was so schrecklich… Danach habe ich ihn zur Grube gebracht, das war unglaublich schwer.”

Und Eva ließ den Überlebenden Hélie Denoix de Saint Marc aus Frankreich zu Wort kommen, der seinen Besuch des Stollens im Jahr 1995 beschreibt, und stellte mit ihrem Zitat die Verbindung zur Gegenwart her. Man muss sich erinnern, aber das allein genügt nicht, denn man muss auch nachdenken, was diese Erinnerung für die Gegenwart bedeutet. “Wir gingen nach Langenstein zurück und begaben uns zum Eingang des ‘Tunnels’. Keiner sprach. Selten zuvor habe ich gespürt, wie heftig Vergangenheit und Gegenwart aufeinanderstoßen können…”

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Auf Plakaten und durch laute Aufrufe forderten die Jugendlichen den Erhalt des Stollens als Gedenkort ein. Wir brauchen diese “Verbindung” zur Vergangenheit, diesen Ort, der “Vergangenheit und Gegenwart aufeinanderstoßen” lässt. Auf die Plakate hatten die Jugendlichen ihre ganz konkreten Gedanken und Forderungen geschrieben, z.B.: “Nie vergeben. Nie vergessen.” “Stollen weg ist der Anfang des Vergessens.” “Was wird, wenn wir uns nicht mehr erinnern können?” “Wo sollen wir trauern?” “Stollen – Geld?” “Erhaltet die Erinnerung!” oder “Politik – wach auf!”

Die Plakate wurden anschließend am Eingangstor zum Stollen aufgehängt – unter der Jahreszahl 2018.

Fotos aus dem Jahr 2001, die die Jugendlichen bereits in der Vorbereitungsphase am Eingangstor angebracht hatten, zeigten eine ähnliche Situation. Bereits 2001 standen ehemalige Häftlinge und Gäste der Tage der Begegnung vor einem verschlossenen Tor, konnten nicht an den Ort der Verbrechen zurückkehren, um sich zu erinnern, zu trauern und um aufzurütteln, denn der Eigentümer hatte den Zutritt verwehrt.

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Schon damals wurde gefragt: “Wo sollen wir uns erinnern?” Der Stollen MUSS für die Besucher der Gedenkstätte zugänglich bleiben. Das fordern wir von der Politik! Mit dem Aufruf, sich in Unterschriftenlisten einzutragen, beendeten die Jugendlichen die Aktion. Die ehemaligen Häftlinge Georges Petit aus Frankreich und Ryszard Kosinski aus Polen waren unter den ersten, die unterschrieben. (siehe dazu auch unseren Homepagebeitrag zur Petition)

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Leider hatten nur wenige politische Vertreter des Landes den Weg nach Langenstein gefunden – vielleicht, weil die Gedenkveranstaltung mit dem ca. 3 km langen Weg zum Stollen verbunden war und nicht wie sonst üblich, an den Massengräbern stattfand. Doch Vertreter der Landespolitik sollen ihre Augen nicht verschließen können, denn die jugendlichen Projektteilnehmer Vicky, Max, Timea und Eva übergaben gemeinsam mit Vorstandsmitgliedern des Fördervereins dem Petitionsausschuss des Landtages am 21.06.2018 eine Petition mit 1068 Unterschriften, weil sie einen Ort wollen, an dem sie sich erinnern können, an dem sie gedenken können und an dem sie nachdenken können.

Der Stollen MUSS als Ort der Erinnerung bewahrt werden! Denn 2000 Menschen starben für seinen Bau.

 

Text: Gesine Daifi, Martina Lucht, Vorstandsmitglieder

Fotos: Martina Lucht, privat

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In den nachfolgenden Sommermonaten bis z.T. in den Herbst hingen die Windspiele mit ihrer Botschaft am Leidensweg und brachten Spaziergänger zum Nachdenken und Nachfragen in der Gedenkstätte.

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Isolated und Freunde spielen 615 Euro für Namenstafeln ein! Vielen Dank!

 

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Foto: Uwe Kraus

 

Nichts für empfindliche Ohren!! – Nichts für schwache Nerven!! Die Punkband „Isolated“ aus Quedlinburg feierte mit den Bands „Crushing Caspars “aus Rostock und „Punishable Act“ aus Berlin sowie „Once Icry“ und „Detrimental Threat“ aus Spanien und mit 245 Fans von harter Hardcore–Musik ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum in Quedlinburg im KuZ Reichenstraße.

Alle Bands waren sich darin einig, die Arbeit unseres Fördervereins zu unterstützen. Sie spendeten 615,00 Euro – eingespielt quasi als Geburtstagsgeschenk – für unsere Aktion „Noten für Namen“. Die ermordeten Häftlinge des ehemaligen KZ Langenstein–Zwieberge holt der Verein mit Namenstafeln aus der Anonymität, gibt ihnen mit ihrem Namen ihre Identität und Würde zurück. Mit dieser tollen Spendensumme wird eine Tradition weiter geführt, denn Isolated hatte bereits zum 20–jährigen Bühnenjubiläum unseren Verein mit eine Spende unterstützt.

Wir danken auch Stefan Helmholz, der als Leiter des Kulturzentrums und Fördervereinsmitglied dieses Haus immer für die Belange des Fördervereins offen hält.

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Hanka Rosenkranz, Vorsitzende des Fördervereins der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge

 

 

Konzertankündigung – Isolated spielt in der Reichenstrasse in Quedlinburg und spendet einen Teil der Eintrittsgelder für Namenstafeln

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ISOLATED – der Name steht für Hadecore, Punk und ganz viel Spaß! Isolated spielte bereits viele Gigs und Touren in ganz Europa, auch zusammen mit Bands wie Sick of it all, Agnosic Front, Madball und vielen mehr. Die 1993 gegründete Band feiert in diesem Jahr ihr 25jähriges Bühnenjubiläum, 6 CDs sind veröffentlicht.

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Auch dem Publikum in unserer Region sind sie bekannt, waren sie doch schon mehrfach z.B. in Quedlinburg zu erleben. Und bereits zum 2.Mal engagieren sie sich nun im Rahmen  unserer kleinen Konzertreihe “Noten für Namen”, mit der der Förderverein Spenden für Namenstafeln sammelt. Ein Teil der  Eintrittsgelder geht in diesen Spendentopf – vielen Dank, Jungs!

Alle Fans und solche, die es werden wollen, sind herzlich eingeladen, die Spiel- und Lebensfreude dieser Band zu erleben:

 

Am: 24. November 2018                                                            Einlass: 20.00 Uhr                                                         Eintritt: 15,00 €

                                                  Im: DV Reichenstrasse e.V., Reichenstraße 1, 0484 Quedlinburg

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Für weitere Konzertinformationen bitte auch folgende Adresse beachten:

https://www.reichenstrasse.de/index.php/kultur/konzerte/24-11-isolated-25th-anniversary

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Der Vorstand des Fördervereins der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge

 

 

 

 

 

“Politik wach auf” – Vertreter des Petitionsausschusses des Landtages und lokale Politiker zusammen mit Mitgliedern der Gruppe der 2. Generation am Stollen

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Als Antwort auf die am 21.06.2018 vom Vorstand des Fördervereins und von Jugendlichen der Gedenkaktion an den Landtag übergebene Petition gab es am 29.10.2018 einen Vororttermin in der Gedenkstätte sowie am Stollen. Frau Hohmann, Abgeordnete der Partei Die Linke und Mitglied des Petitionsausschusses, leitete diese Veranstaltung. Neben 2 weiteren Mitgliedern des Petitionsausschusses waren Vertreter von Justiz und Innenministerium,  der Staatskanzlei, der Stiftungs– und Gedenkstättenleitung, des Landkreises, der Stadt Halberstadt, der Gemeinde Langenstein sowie der Insolvenzverwalter und natürlich Vertreter des Fördervereins der Gedenkstätte geladen.

Angereist waren auch Nachfahren von ehemaligen italienischen Häftlingen, die der “Gruppe der 2. Generation“ angehören. Diese internationale Gruppe trifft sich jedes Jahr im Herbst zu einem Seminar in der Gedenkstätte, um die Arbeit der Gedenkstätte zu unterstützen. Der Vater von Dr. Claudio Burelli, Dino Burelli, hat selbst im Stollen unter den unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen.

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Die Zahl der geladenen Gäste macht schon deutlich, dass der Erhalt der Stollenanlage für die Gedenk– und Bildungsarbeit der Gedenkstätte eine große Bedeutung hat. Leider war der Insolvenzverwalter als einziger nicht anwesend, so dass die Anwesenden im Anschluss an erste Gespräche über den Umgang mit dem Stollen nur den kleinen Stollenabschnitt von 120 Metern besichtigen konnten, der der Gedenkstätte zur Verfügung steht.

Im Verlaufe der Diskussion wurde deutlich, dass es keine einfache Lösung für das Problem Stollen gibt, zu komplex sind die rechtlichen Fragen des Insolvenz– und Verwaltungsrechts. Die nach der Wende getroffene Fehlentscheidung, die 13km umfassende Stollenanlage zu privatisieren, führt zu vielfältigen Problemen bis in die Gegenwart.

Dr. Claudio Burelli berichtete vom letzten Besuch seines Vaters anlässlich der jährlich stattfindenden Tage der Begegnung vor einigen Jahren. Als Dr. Claudio Burelli zusammen mit seinem Vater Dino in dem zugänglichen Teil der Stollenanlage stand,, hatte sein Vater Dino gesagt, dass diese 120 Meter nicht reichen für 2000 tote Häftlinge. Dr. Burelli und alle anderen Vertreter der 2.Generation setzen sich schon seit vielen Jahren für den erweiterten Zugang zum Stollen ein. Würde der Stollen geschlossen oder für Besucher nicht mehr zugänglich sein, würden die ehemaligen Häftlinge zum zweiten Mal geopfert, sagte er.

Im Stollen selbst wurde allen Beteiligten bewusst, was die Worte Burellis bedeuten. Der Gedenkstättenleiter, Dr. Bertrand, zeigte an einer Karte, welche Pläne die Gedenkstätte gern verwirklichen würde. Ein 900 Meter langer Rundgang, auf dem der Besucher einen Eindruck der gigantischen Ausmaße der Anlage erhalten könnte. Ein Blick in mehrere Richt- und Querstollen sowie auf Verzweigungen, welche mit Kreuzgewölben ausgebaut wurden, würde die Dimension der geleisteten massiven Zwangsarbeit der Häftlinge deutlicher machen. „Vernichtung durch Arbeit“ führte hier im Stollen zu über 2000 Toten, 2000 zerstörten Leben.

Durch die Komplexität des Problems wurde deutlich, dass es eine politische Lösung geben muss. Der Petitionsausschuss wird das Anliegen auch in die Fachausschüsse für Bildung und Wirtschaft geben und über den parlamentarischen Weg weiter gehen. Die Petition bleibt demzufolge in der Aufmerksamkeit des Landtages. Der Vorstand wird das weitere Vorgehen kritisch begleiten und auf eine Lösung im Sinne der ehemaligen Häftlinge drängen. Wir alle tragen auch in der Gegenwart eine Verantwortung für unsere Geschichte.

Hanka Rosenkranz, Vorstandsvorsitzende des Fördervereins der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge

 

Petition im Landtag übergeben – Der Stollen muss für die Besucher der Gedenkstätte zugänglich bleiben!

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Der Stollen ist das Herzstück der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge – 2000 Menschenleben hat der Bau des Stollens gekostet.

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Am 21. Juni 2018 wurde dem Petitionsausschuss des Landtages von Sachsen-Anhalt eine Petition mit 1068 Unterschriften übergeben. Initiiert hatten diese Petition Jugendliche einer Projektgruppe, die auf der Grundlage einer Idee der Gruppe der 2. Generation eine Gedenkaktion zum Thema „2000 Menschen starben für den Bau eines Stollens“ erarbeiteten und zu den „Tagen der Begegnung“ im April diesen Jahres zeigten.  In der Petition wird gefordert, dass der Stollen auch künftig für Besucher der Gedenkstätte jederzeit zugänglich bleiben muss und dass sensibel abgewogen werden soll, ob der Verkauf an private Eigentümer die richtige Entscheidung für die Zukunft des Stollens ist. Der Stollen war nach der Wende von der Treuhand privatisiert worden, hatte mehrfach den Besitzer gewechselt und steht nunmehr wieder im Rahmen eines Insolvenzverfahrens vor einer erneuten Zwangsversteigerung.

Unterschrieben hatten zunächst während der Gedenkveranstaltung am Stollen im April 2018 die ehemaligen Häftlinge Georges Petit und Ryszard Kosinski, die selbst noch unter unmenschlichsten Arbeitsbedingungen am Bau des Stollens beteiligt waren. Auch Familienmitglieder, Söhne, Enkel, Urenkel ehemaliger Häftlinge sowie Gäste der Gedenkveranstaltung setzten ihre Unterschriften unter die Petition, darunter auch Personen des öffentlichen Lebens wie Wiebke Bruns.

Die Jugendlichen der Projektgruppe, engagierte Vereinsmitglieder und Förderer der Vereinsarbeit sammelten in den nachfolgenden Wochen weitere Unterschriften von Bürgern der Region, die die Forderung nach uneingeschränktem Zugang zum Stollen für Besucher der Gedenkstätte unterstützen.

Der Petitionsausschuss nahm die Unterschriftenlisten entgegen und sagte zu, das Anliegen mit verantwortlichen Ministerien und Ausschüssen zu besprechen und bis zum Herbst 2018 Lösungsmöglichkeiten zu prüfen. Eine Delegation des Petitionsausschusses will sich den Stollen im August vor Ort anschauen.

Wir alle müssen gemeinsam die Verantwortung für diesen Ort übernehmen und das Gedenken für künftige Generationen ermöglichen. Denn: “Wo sollen wir uns sonst erinnern, wo sollen wir trauern – und wo sollen wir nachdenken?” fragten die Jugendlichen während ihrer Aktion im April zu Recht.

Der Vorstand des Fördervereins der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge e.V.

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Ryszard Kosinski sowie Georges Petit und seine Familie gehören zu den Erstunterzeichnern der Petition, Viele weitere Unterschriften folgten noch während der Gedenkveranstaltung vor dem Stollen.

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An die

Präsidentin des

Landtags von Sachsen-Anhalt
Domplatz 6-9
39104 Magdeburg                                                                                                                                         Langenstein, 21.06.2018

 

 

PETITION – für den Erhalt der Stollenanlage in Langenstein – Zwieberge und die Möglichkeit

                     der erweiterten Nutzung durch die Gedenkstätte

 

 

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin,

sehr geehrte Abgeordnete,

 

  • In der Zeit von April 1944 bis April 1945 wurde durch die Häftlinge des KZ Langenstein – Zwieberge eine unterirdische Stollenanlage von 13 km Länge in die Thekenberge bei Halberstadt getrieben.
  • Es sollten dort Teile für die Fertigung strahlgetriebener Flugzeuge produziert werden.
  • Der Stollen ist ein historischer Ort, an dem nahezu 2.000 Häftlinge durch die menschenverachtende Zwangsarbeit ihr Leben verloren haben.
  • Der Stollen ist ein Ort, an dem der Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen unter mörderischen Bedingungen auf unanfechtbare Weise dokumentiert ist.
  • Dieses Stollensystem wurde während der DDR – Zeit und nach der Wiedervereinigung durch die NVA bzw. Bundeswehr militärisch genutzt. Ein Teil der Anlage wurde dafür ausgebaut.
  • Im Jahr 1994 hat die Bundeswehr den Stollen verlassen.
  • Kurz darauf wurde er durch die Treuhand privatisiert und eine wirtschaftliche Nutzung wurde durch ehemalige Häftlinge, die nach Langenstein zurückkehrten, immer wieder scharf kritisiert.
  • Es gab seither mehrfach wechselnde Eigentümer.
  • Dadurch war die Nutzung des Stollens für die Arbeit der Gedenkstätte stark eingeschränkt.
  • 2001 wurde beispielsweise ehemaligen Häftlingen und ihren Familienangehörigen der Zutritt zum Stollen verwehrt.
  • Seit 2003 gab es einen Nutzungsvertrag zwischen der Gedenkstätte und dem Eigentümer.
  • Das Land Sachsen-Anhalt hat daraufhin 120 m des Stollens gesichert und für Besucher der Gedenkstätte zugänglich gemacht.
  • Seit 2011 ist der Besitzer insolvent. Der Nutzungsvertrag gilt nicht mehr und die Gedenkstätte ist seitdem vom Wohlwollen des Insolvenzverwalters abhängig, wenn Besucher den Stollen besichtigen wollen.
  • Die Stadt Halberstadt leitete inzwischen mehrere Zwangsversteigerungen der Anlage ein.
  • Seitdem gab es mehrere gescheiterte Verkaufsversuche, unter den Bietern waren teilweise dubiose Firmen.
  • Der Förderverein und die ehemaligen Häftlinge sowie deren Angehörige sind in ständiger Sorge, dass die Nutzung des Stollens für die Arbeit der Gedenkstätte durch einen Verkauf gefährdet wird.

 

Wir fordern daher:

  • den ungehinderten kostenfreien Zugang zum Stollen für die Besucher der Gedenkstätte,
  • eine angemessene Erweiterung des Rundgangs durch den seit 1945 unveränderten Teil des Stollens,  um das Ausmaß der menschenverachtenden Zwangsarbeit noch besser kenntlich zu machen,
  • dass sich die politischen Entscheidungsträger klar für den Erhalt des Stollens positionieren und mit allen Möglichkeiten die Gedenkstätte unterstützen,
  • dass sensibel abgewogen wird, ob der Verkauf an private Eigentümer die richtige Entscheidung für die Zukunft des Stollens ist.

 

Wir erwarten:

  • von den Abgeordneten aller Parteien Unterstützung,
  • von der Regierung des Landes Sachsen-Anhalt ein klares Votum für den Erhalt des Stollens und die Bereitschaft, in der Zukunft finanzielle Mittel für eine Erweiterung des Rundgangs durch den Stollens zur Verfügung zu stellen.

 

Wir wenden uns an Sie, weil:

  • wir in großer Sorge sind, dass der Zugang zum Stollen gefährdet ist.
  • wir als Förderverein die Interessen der ehemaligen Häftlinge und ihrer Angehörigen vertreten.
  • wir der Meinung sind, dass die in den letzten Jahrzehnten getroffenen Fehlentscheidungen endlich wieder korrigiert werden müssen.
  • es sich bei dem Tod von 2.000 Menschen aus 23 Ländern um keinen „Vogelschiss“ der Geschichte handelt.
  • es auch nach 73 Jahren noch notwendig ist, sich mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinander zu setzen und seine Mechanismen aufzuzeigen um zu begreifen, dass Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen immer Grundlagen sind für eine dogmatische Politik, die Menschenrechte missachtet.
  • diese Stollenanlage als historischer Ort das Herzstück der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge ist.

 

Aus all den genannten Gründen wenden wir uns per Petition an Sie und übergeben Ihnen 1068 Unterschriften von Bürgern der Bundesrepublik Deutschland sowie ehemaligen Häftlingen und deren Angehörigen aus Belgien, Frankreich, Italien, Lettland, Polen und der Ukraine, die unser Anliegen unterstützen.

422,00 Euro beim Bücherflohmarkt!!

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Bei unserem diesjährigen Bücherflohmarkt,  der in bewährter Weise vor dem Gleimhaus stattfand, konnten wir für neue Namenstafeln Spenden durch Bücherverkäufe in Höhe von 422,00 Eure einnehmen. Dabei gab es bei sommerlichem Wetter wieder interessante Gespräche über Literatur, aber auch über die Geschichte des KZ Langenstein-Zwieberge, die Gedenkstätte und die Situation des Stollens.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen Lesern, die mit ihrem Bücherkauf die Arbeit unseres Vereins fördern, beim Gleimhaus für die Unterstützung und auch bei Frank Dörfer, Anne Fliege, Karola und Detlef Künne, Torsten Langer sowie Konstantin Lesnych für das Tragen unserer schweren Bücherkisten.

Der Vorstand des Fördervereins der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge e.V.