Förderverein Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge e.V.

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“Politik wach auf” – Vertreter des Petitionsausschusses des Landtages und lokale Politiker zusammen mit Mitgliedern der Gruppe der 2. Generation am Stollen

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Als Antwort auf die am 21.06.2018 vom Vorstand des Fördervereins und von Jugendlichen der Gedenkaktion an den Landtag übergebene Petition gab es am 29.10.2018 einen Vororttermin in der Gedenkstätte sowie am Stollen. Frau Hohmann, Abgeordnete der Partei Die Linke und Mitglied des Petitionsausschusses, leitete diese Veranstaltung. Neben 2 weiteren Mitgliedern des Petitionsausschusses waren Vertreter von Justiz und Innenministerium,  der Staatskanzlei, der Stiftungs– und Gedenkstättenleitung, des Landkreises, der Stadt Halberstadt, der Gemeinde Langenstein sowie der Insolvenzverwalter und natürlich Vertreter des Fördervereins der Gedenkstätte geladen.

Angereist waren auch Nachfahren von ehemaligen italienischen Häftlingen, die der “Gruppe der 2. Generation“ angehören. Diese internationale Gruppe trifft sich jedes Jahr im Herbst zu einem Seminar in der Gedenkstätte, um die Arbeit der Gedenkstätte zu unterstützen. Der Vater von Dr. Claudio Burelli, Dino Burelli, hat selbst im Stollen unter den unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen.

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Die Zahl der geladenen Gäste macht schon deutlich, dass der Erhalt der Stollenanlage für die Gedenk– und Bildungsarbeit der Gedenkstätte eine große Bedeutung hat. Leider war der Insolvenzverwalter als einziger nicht anwesend, so dass die Anwesenden im Anschluss an erste Gespräche über den Umgang mit dem Stollen nur den kleinen Stollenabschnitt von 120 Metern besichtigen konnten, der der Gedenkstätte zur Verfügung steht.

Im Verlaufe der Diskussion wurde deutlich, dass es keine einfache Lösung für das Problem Stollen gibt, zu komplex sind die rechtlichen Fragen des Insolvenz– und Verwaltungsrechts. Die nach der Wende getroffene Fehlentscheidung, die 13km umfassende Stollenanlage zu privatisieren, führt zu vielfältigen Problemen bis in die Gegenwart.

Dr. Claudio Burelli berichtete vom letzten Besuch seines Vaters anlässlich der jährlich stattfindenden Tage der Begegnung vor einigen Jahren. Als Dr. Claudio Burelli zusammen mit seinem Vater Dino in dem zugänglichen Teil der Stollenanlage stand,, hatte sein Vater Dino gesagt, dass diese 120 Meter nicht reichen für 2000 tote Häftlinge. Dr. Burelli und alle anderen Vertreter der 2.Generation setzen sich schon seit vielen Jahren für den erweiterten Zugang zum Stollen ein. Würde der Stollen geschlossen oder für Besucher nicht mehr zugänglich sein, würden die ehemaligen Häftlinge zum zweiten Mal geopfert, sagte er.

Im Stollen selbst wurde allen Beteiligten bewusst, was die Worte Burellis bedeuten. Der Gedenkstättenleiter, Dr. Bertrand, zeigte an einer Karte, welche Pläne die Gedenkstätte gern verwirklichen würde. Ein 900 Meter langer Rundgang, auf dem der Besucher einen Eindruck der gigantischen Ausmaße der Anlage erhalten könnte. Ein Blick in mehrere Richt- und Querstollen sowie auf Verzweigungen, welche mit Kreuzgewölben ausgebaut wurden, würde die Dimension der geleisteten massiven Zwangsarbeit der Häftlinge deutlicher machen. „Vernichtung durch Arbeit“ führte hier im Stollen zu über 2000 Toten, 2000 zerstörten Leben.

Durch die Komplexität des Problems wurde deutlich, dass es eine politische Lösung geben muss. Der Petitionsausschuss wird das Anliegen auch in die Fachausschüsse für Bildung und Wirtschaft geben und über den parlamentarischen Weg weiter gehen. Die Petition bleibt demzufolge in der Aufmerksamkeit des Landtages. Der Vorstand wird das weitere Vorgehen kritisch begleiten und auf eine Lösung im Sinne der ehemaligen Häftlinge drängen. Wir alle tragen auch in der Gegenwart eine Verantwortung für unsere Geschichte.

Hanka Rosenkranz, Vorstandsvorsitzende des Fördervereins der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge

 

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