Förderverein Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge e.V.

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Stummfilmpianist spielt live zum Film “Go west” mit Buster Keaton

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Der Stummfilmpianist Richard Siedhoff spielt live

zum Stummfilm “Go West” mit Buster Keaton:

Am 24.11. laden wir Sie herzlich um 18.00 Uhr

in die Moses-Mendelssohn-Akademie in Halberstadt (Rosenwinkel)

zum nächsten Event in der Reihe Noten für Namen ein.

Der Eintritt ist frei, wir bitten um eine Spende für den Guss von Namenstafeln, die am Gräberfeld angebracht werden. Den Opfern wird so Ihr Name und damit ihre Identität und Würde zurück gegeben.

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Der Stummfilmpianist Richard Siefhoff wurde dem Halberstädter Publikum bereits 2015 bekannt, als er den Film „Der General“ mit Buster Keaton präsentierte. Nun konnte der Förderverein den Künstler für einen weiteren Abend in Halberstadt gewinnen. Gezeigt wird der Stummfilm „Go west“, außerdem hat R. Siedhoff weitere Überraschungen im Gepäck.

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Richard Siedhoff wurde 1987 in Weimar geboren und erhielt seit seinem siebten Lebensjahr klassischen Klavierunterricht. Nach seinem Schulabschluss arbeitete er einige Zeit als Cutter und studierte anschließend Musikwissenschaft und Kulturmanagement an der HfM Franz Liszt Weimar. Schon in der Schulzeit kam Siedhoff mit Stummfilm und Stummfilmmusik in Berührung und befasst sich seit dem Studium intensiver mit dieser Kunstform. Seit 2008 hat er schon weit mehr als 100 Stummfilme am Klavier vertont, wofür er eigene Kompositionen mit konzipierten Improvisationen verbindet. Er gastiert regelmäßig im Filmmuseum München, den Internationalen Stummfilmtagen Bonn, trat bei den Donaufestspielen Krems sowie den Filmfest Braunschweig auf und spielt regelmäßig die Kinoorgel im Grassi Museum Leipzig. Neben großen Kinos bespielt er auch kleine Kultureinrichtungen mit 16mm-Filmprojektoren. Er ist Hauspianist im Lichthaus Kino Weimar, dessen Stummfilmprogramm er kuratiert. Auf seiner Internetseite präsentiert er sein umfangreiches Repertoire.

Über Buster Keaton und Charlie Chaplin schreibt Siedhoff: 

Im Sommer 1925 lief mit „Goldrush“ nach mehrjähriger Pause wieder ein „richtiger“ Chaplin-Film in den Kinos an. Getoppt wurde Chaplins Erfolg nur noch mit „The Freshman“ von Harold Lloyd. Pathos hieß das Zauberwort der Session und so wagte auch Keaton nach „Seven Chances“ (1924), der freien Adaption eines Broadway-Stücks, einen Ausflug ins Chaplin‘sche Terrain. Die Fabel von Androkles und dem Löwen wird hier zur Fabel von Buster und der Kuh. Hier tritt Keaton vorläufig auch das letzte Mal als die Filmfigur auf, die er seit seinen frühesten Filmen verkörperte, wenn auch keinesfalls konsequent wie Chaplin: Als der stoische Außenseiter mit flachem Filzhut, der sich bei allen Katastrophen sofort anpasst, keine Miene verzieht und immer einen gewitzten Ausweg findet. Dennoch bleibt sein „Stoneface“ nie ungerührt. Die ungeheure emotionale Tiefe, die Keaton mit minimalster Mimik, hier besonders im Zusammenspiel mit der Kuh „Brown Eyes“ auf die Leinwand bannt, sucht seines Gleichen. Die treue Kuh, in die Buster sich in „Go West“ verliebt, ist eine bezeichnend ironische Auseinandersetzung mit seinem Privatleben – die Ehe mit Natalie Talmadge kriselte. Wollten ihn in „Seven Chances“ noch tausende heiratswillige Frauen meucheln, so begnügt er sich hier mit einer richtigen Kuh, die ihm am Ende mehr bedeutet als des Farmers schöne Augen machende Tochter. „Brown Eyes“ bleibt damit die bezauberndste weibliche Hauptrolle der Stummfilmgeschichte! Ihr Name mag auch eine Verbeugung vor D. W. Griffith sein, dem großen amerikanischen Filmpionier, der Keaton sehr beeindruckte. „Brown Eyes“ ist in Griffiths epochemachendem Werk „Intolerance“ (1916) die brutal ermordete Heldin der Hugenotten-Episode. Die Dreharbeiten zu „Go West“ fanden in extremer Hitze statt, welche fast die Emulsion des Rohfilms zum Schmelzen brachte. Die Rinder waren besonders träge und das Finale des Films besonders schwer zu inszenieren. Später resümiert Keaton: „Manche Teile daran gefielen mir, aber als Film, im Ganzen, mochte ich ihn nicht.“ Dennoch war  „Go West“ ansehnlich erfolgreich und das Ergebnis kann sich mit all seinen surrealistischen Momenten sehen lassen. Unter Eigenregie gelingen Keaton Bilder, „die durch ihre Komposition und in der Explosivkraft ihres Ausdrucks jeden Surrealisten vor Neid erblassen lassen könnten“  (Frieda Grafe, 1964). Es ist nicht abwegig, dass solche Momente Luis Buñuels „L’âge d’or“ (1930) beeinflusst haben könnten. „Ich war mir nie bewusst, dass ich etwas anderes tat als zu versuchen, die Leute zum Lachen zu bringen.“  Keaton, wie er sein Bett des Weges zieht, Keaton vor dem Hintergrund der weiten Steppen, die Kühe im Warenhaus, Keaton auf- und ablaufend im Teufelskostüm, der nicht weiß, wie er seinen Hut aufsetzen soll, oder das abschließende Bild mit der Kuh im Auto sind unvergleichlich poetische Momente. Keaton, Künstler aus Instinkt, war immer sehr darauf bedacht, besonders stilisierte Motive für seine Bilder zu finden und wies seine Kameramänner immer wieder an, „ihn in die zentrale Achse zu setzen, seine Erscheinung in den Mittelpunkt klarer Linien und penibel beachteter Symmetrie zu rücken“  (Karl Prümm). Und Keaton parodiert Klischees, bevor sie etabliert sind: Ein einsamer Hund, ebenso verlassen wie die Hauptfigur, wird nicht zum treuen Freund und Begleiter –  er läuft weg. Und am Ende sind wir uns einig: Der beste Freund des Menschen ist die Kuh! 

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